Projekt-Aktuell

Venezuela: Fünf Nullen gestrichen

Was zurzeit in Venezuela abläuft, geht auch bei uns nicht spurlos vorbei. Kein Land in Südamerika war auf die gewaltige Migrations-Welle vorbereitet, wie sie nun von Venezuela aus den Kontinent überflutet. Bis vor kurzem wollte kaum jemand nach Peru wohnen kommen, und nun sind es 100’000ende von Flüchtlingen, die sich vor allem in Lima eine neue Existenz aufbauen wollen.

Sicher habt auch ihr in der Schweiz schon manches über diese Situation erfahren. Sie verschlimmert sich permanent. So hat Venezuelas Präsident Maduro Mitte August fünf Nullen von den Geldscheinen gestrichen – als Verzweiflungstat gegen die Hyper-Inflation von 1 Million Prozent. Das Geld hat keinen Wert mehr. Der Mindestlohn pro Monat beläuft sich – wertmässig – auf einen (1) Franken. Damit kann eine Person bestenfalls einen Tag überleben.

Hunger, Krankenhäuser ohne das Nötigste, Polizeigewalt, gefälschte Wahlen … Die Venezolaner stimmen mit den Füssen ab und fliehen. Bereits haben etwa 2,3 Millionen das Land verlassen. Maduro hat seine Chance entdeckt: Das Geld, das die Exil-Venezolaner ihren Familienmitgliedern zum Überleben senden, finanziert das Regime. Doch seit Ende August verwehrt Peru Flüchtlingen ohne Reisepass die Einreise. Es kam in Peru zwar noch nicht – wie in Brasilien – zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen, doch der Unmut hat in den letzten Monaten sichtbar zugenommen.

Hunger, Krankenhäuser ohne das Nötigste, Polizeigewalt, gefälschte Wahlen … Die Venezolaner stimmen mit den Füssen ab und fliehen. Bereits haben etwa 2,3 Millionen das Land verlassen.

Miriam und Carlos Bernales

Die Konkurrenz beim Verkaufen von Esswaren auf den Strassen ist riesig geworden. Das wohl grösste Problem ist jedoch das Lohndumping. Es gibt Supermärkte, die fast alle Peruaner entlassen und für weniger als den Mindestlohn Venezolaner angestellt haben. Diese akzeptieren jede Arbeit. Der Staat offeriert ihnen keine Unterstützung sondern alle müssen vom Tag ihrer Ankunft in Lima an selber eine Möglichkeit finden, Geld zu verdienen. Diese Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt löst beim peruanischen Volk verständ-licherweise schlechte Gefühle aus.

Wir als Projekt und als Familie werden intensiv mit dem Geschehen in Venezuela konfrontiert. Anfangs Jahr schlossen wir uns ja einer neuen Kirchgemeinde an und die Pfarrerfamilie sowie verschiedene Gemeindemitglieder kommen aus Venezuela. Auch unsere Mitarbeiterin Annakarina (ohne sie können wir uns die Kinderprogramme nicht mehr vorstellen) sowie Albert, der nun schon seit März bei uns wohnt und unseren Mädchen mit den Hausaufgaben, sowie im Haushalt hilft, sind aus Venezuela. Wir stellen uns in dieser jetzigen Situation die Frage, was unsere Aufgabe als ein kleines limitiertes Hilfsprojekt ist. Einer Familie konnten wir mit dem Schulgeld für die Kinder unter die Arme greifen. Einigen Neuankömmlingen im kalten Lima konnten wir Winterjacken schenken. Doch die Not ist riesig. Im Land verteilte Migranten-Center gibt es nicht. Da sich alle Behörden auf Lima konzentrieren, müssen auch alle Migranten monatelang in Lima ausharren und auf eine Aufnahmebewilligung hoffen. Solche Bewilligungsverfahren aber dauern bei der peruanischen Bürokratie sehr, sehr lange …

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