Und nun…

Nancys Mutter hatte immer wieder verschiedene Beziehungen mit Männern und hoffte, dass einer mit ihr zusammenbleiben würden. Mittlerweile hat sie sieben Kinder von sieben Männern. Sie selbst wurde von ihren Eltern, als sie klein war, verlassen. Ihr Lebensunterhalt verdient sie seit anhin mit Betteln und Bonbon-Verkaufen. Sie kann weder lesen noch schreiben.

Sie liess ihre Tochter Nancy, als diese etwa sechs Jahre alt war, bei einer Tante. Dort war sie das Dienstmädchen des Hauses und wenn sie langsam war oder ihr etwas kaputt ging, wurde sie auf brutale Weise geschlagen. Wenn man sie nach dieser Zeit fragt, sagt sie nur: „ Ich war unerwünscht.“ Ihre Mutter kam sie nie besuchen, obwohl sie dies versprochen hatte. Ihr Bruder Victor kam gelegentlich, doch da er selbst in einem Kinderheim wohnte, konnte er Nancy nicht helfen. Als Nancy etwa neun Jahre alt war, wurde sie eines Tages ohne Anmeldung von ihrer Mutter abgeholt. Die folgenden 2,5 Jahre waren jedoch nicht einfacher.

Nancy liebte ihre Mutter und versuchte sie vor dem oft betrunkenen Stiefvater zu schützen. Dieser schlug die Mutter, Nancy und auch die zwei jüngeren Schwestern oft. Noch schlimmer war, dass sie die sechs Jahre jüngere Schwester vor dem sexuellen Missbrauch dieses Stiefvaters beschützen wollte. Sie selbst wurde ebenfalls missbraucht. Ihre Mutter wollte von diesen Übergriffen nichts wissen bzw. glaubte den Mädchen nicht. Manchmal verschwand die Mutter für einige Tage und Nancy versuchte auf der Strasse Bonbons zu verkaufen, damit sie für ihre Schwestern Essen kaufen konnte. Angesichts dieser Umstände fehlte sie regelmässig in der Schule und hatte schlechte Noten.


Als Nancy 11,5 Jahre alt war, verlor sie auch ihr Vertrauen in den einzigen Mann, welchem sie bis anhin vertrauen konnte – ihrem 19-jährigen Bruder Victor.

Miriam Bernales

Eines Tages kam Victor zu Besuch und erschrak, als er erfuhr, dass Nancy mit einem 25-jährigen zusammen wohnen musste. Diese Beziehung hatte die Mutter arrangiert und Nancy lebte einige Monate mit diesem Mann, welcher nicht weit von der Mutter weg wohnte. Victor führte ein langes Gespräch mit Nancy und erklärte ihr, dass er ihr helfen wolle. Dazumal wusste er noch nichts von dem Missbrauch des Stiefvaters. Nancy vertraute Victor vollkommen und war damit einverstanden, mit ihm zur staatlichen Kinderschutzstelle zu gehen. Victor erzählte ihr von seinen Erfahrungen im Kinderheim und sie war schlussendlich davon überzeugt, dass sie zwar ihre Mutter sehr vermissen würde, doch ihr Leben besser werden würde. Victor versprach ihr sie im Kinderheim immer zu besuchen und sie zu beschützen. Sie kam in ein staatliches geschlossenes Kinderheim, welches von Nonnen geführt wird. Und sie wartete und wartete…doch ihr Bruder besuchte sie nie. „Ihre Welt“ brach zusammen.

Was sie natürlich nicht wissen konnte war, dass der Staat Victor die Besuchbewilligung nicht gab. Ihr Grund dafür war: Victor wird in der nächsten Zeit nicht fähig sein, die Verantwortung für die Erziehung seiner Schwester zu übernehmen. Er sei zu jung und habe zu wenig Einkommen, um seine Schwester bei sich zu haben.

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