Jahresbericht 2018

Januar


Estación Esperanza ist während drei Wochen geschlossen. Ende Monat starten alle Mitarbeitenden wieder mit neuen Kräften. Dieses Jahr werden wir die so wichtige Familienarbeit intensivieren. Konkret: sieben Elternanlässe mit einem Psychologen (Themen: Autorität und Respekt, Kommunikation in der Erziehung usw.).

Unser Familien-Begleit-Programm ist sehr vielseitig: Familienplanung, Mediation … Wedding-Management!

Leider wollen weiterhin viele Eltern keine Hilfe in Anspruch nehmen, bzw. dass sie sind nicht bereit, an ihren Schwachstellen und Gewohnheiten zu arbeiten. So werden wir zwar mit dem Schicksal vieler Kinder konfrontiert, doch der zweite Schritt, mit der Familie einen Entwicklungsweg zu gehen, begegnet oft Widerständen.


Februar


Seit Mitte Dezember sind in Peru die 3monatigen Sommerferien.  Vor allem Kinder aus ärmeren Schichten langweilen sich sehr während dieser Zeit.

Mit der grossen Unterstützung eines 3-köpfigen Teams aus der Schweiz führen wir eine Kinderwoche durch. Jeden Tag kommen bis zu 60 Kinder und nehmen an Aktivitäten wie Basteln, Backen und Spielen teil. Als Wochenthema haben wir die Geschichte von Daniel. Den Kindern werden christliche Werte anhand von Theatern und kreativen Inputs vermittelt. Das bildet für viele eine sehr willkommene Abwechslung während der monotonen Ferien.

Die Kinderwoche runden wir mit einem Familienausflug ab. 150 Personen kommen mit, wie wir einen Erholungspark besuchen, Volleyball und Fussball spielen, Stafetten veranstalten und uns zwei Stunden im Freibad vergnügen.

Und schliesslich wird der Verein „Estación Esperanza Peru“ gegründet. Damit wird die legale Anstellung von Personal möglich. Der Präsident des Schweizer Parallelvereins, Rolf Kühni, ist auch dabei und unterstützt uns daneben in der Formulierung des ausführlichen Dokuments „Strategie- und Projekt-Zielsetzung“.

Obgleich nun zum Teil durch die Verbindung mit dem Staat der Aufwand grösser wird (Kontrollen usw.), überwiegen die Vorteile. Jetzt können wir auch innerhalb von Peru offiziell Spenden annehmen, von Firmen und ähnlich – falls es denn hier solch philanthropische Firmen gibt.

Unsere Familie wechselt zur Kirchengemeinde „Familia para toda la vida“. Die Teilnahme an und die Zusammenarbeit mit der neuen Kirchgemeinde bewähren sich, auch wenn es sich um eine frisch gegründete, sehr kleine Gemeinde handelt. Der verantwortliche Pfarrer ist Flüchtling aus Venezuela, wo er eine sehr grosse Gemeinde leitete. Er ist dankbar, dass wir uns auch für den Gemeindeaufbau engagieren. Weitere Leute aus unserem Quartier beginnen sich hier ebenfalls wohl zu fühlen.

Wir stellen eine neue Mitarbeiterin an. Ana Karina Toro Tovar kommt ebenfalls aus Venezuela und ist Kindergärtnerin. Sie und Nathalia sind für den Bereich Kinderprogramm, Nachhilfe- bzw. Förderunterricht sowie für die Arbeit im Montessori-Raum im Schulhaus Mahanaim zuständig.


März


Offizieller Start der Zusammenarbeit mit dem Schulhaus Mahanaim. Renovation eines Schulraumes und Einrichtung mit Montessori Lernmaterial. Wir initiieren das Subventions-Patenprogramm. Kinder, die von Estación Esperanza in diesem Programm aufgenommen werden, bezahlen monatlich anstatt 70 CHF nur 15 – 28 CHF. Doch die Familien müssen an den angebotenen Förderaktivitäten bzw. Elternanlässen teilnehmen. Bei unentschuldigten Absenzen wird die Unterstützung abgebrochen. Das war bisher nur ein Mal nötig. Damit stellen wir sicher, dass sich die Kinder nicht nur schulisch gut entwickeln, sondern dass auch das familiäre Umfeld positive Förderung erfährt. Für das Pilot-Jahr wurden 15 Kinder ins Programm aufgenommen.                                    

Im März findet die zweitägige Unihockey-Trainerausbildung in der schweizerischen Pestalozzi-Schule in Lima statt. Wir nehmen mit einigen Jugendlichen daran teil und sind in die Gesamtorganisation involviert. Unser Unihockey-Leiterteam, das aus fünf Jugendlichen besteht, lernt im laufenden Jahr sehr viel. Sie können mittlerweile auch in unserer Abwesenheit das Programm mit allen Kindern und Jugendlichen selbständig organisieren – inklusive biblischer Inputs und körperlichem Aufwärmen.


April


Unsere Estación Esperanza-Band erhält offiziell einen Band-Leiter, Jimmy Maruyama, womit die wöchentlichen Proben in einem Bandraum beginnen. Noch diesen Monat findet bereits der erste externe Auftritt statt. Für unsere Reise in die Schweiz übergeben wir Nathalia die Gesamtverantwortung. Es funktioniert perfekt


Mai


Am 26. Mai findet die Generalversammlung des Vereins „Estación Esperanza Schweiz“ statt.


Juni


Linda Kühni, Vorstandsmitglied in der Schweiz, führt als Kursleiterin mit uns eine interne Schulung zum Thema „lösungs- und kompetenzorientierte Beratung“ durch.

Die Situation in Venezuela verschlimmert sich stetig und 100’000ende von Flüchtlingen gelangen nach Peru. Es kommt in Peru zwar nicht zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen, doch der Unmut nimmt ständig zu.

Wir werden durch unsere Pfarrfamilie und etliche venezolanische Gemeindeglieder selber intensiv mit dem Geschehen in Venezuela konfrontiert. Dabei taucht die Frage auf,  worin unsere Aufgabe als ein kleines, limitiertes Hilfsprojekt sein könnte. Wo sinnvoll und möglich leisten wir praktische Unterstützung (vorübergehend Wohnmöglichkeit bieten, Kleidersammlung, Zahlung von Schulgeldern usw.).


Juli


Bei unserem jährlichen Besuch bei Estación Esperanza Bolivien können wir das Projekt definitiv der lokalen Kirchgemeinde übergeben. Unsere Rolle beschränkt sich nur noch auf das Coaching. Das Projekt hat sich erfreulich weiter entwickelt und der wöchentliche Mittagstisch (jeweils am Montag) sowie der Kinderclub am Samstag werden rege besucht.


August


Die Gruppe der Vor-Teenager (10-12 Jährige) mit dem Namen Kings-Kids wird ins Leben gerufen. Es ist das Alter, da die Kinderprogramme von Estación Esperanza nicht mehr attraktiv sind, die Mitglieder der eigentlichen Jugendgruppe aber doch noch etliche Jahre älter sind. Wir stellen Bedingungen, wenn jemand Teil dieser neuen Gruppe werden will. So erwarten wir die Mithilfe im Kinderprogramm. Auch das das Verhalten im Projekt sowie zu Hause wird geprüft und reflektiert. Einmal pro Monat fährt die Kings-Kids-Gruppe an das Kings-Kids-Treffen Lima. Dieses wurde von „Jugend mit einer Mission“ ins Leben gerufen. Die Resultate der Arbeit mit unserer neuen Gruppe sind erfreulich. Die Motivation mitzuhelfen und Teil zu sein in den verschiedenen Aktivitäten, inkl. Kirchenbesuch am Sonntag, ist gross.


September


Im Haus von „Jugend mit einer Mission“ findet ein Wochenende für die Jugendgruppe von Estación Esperanza statt. Es nehmen 20 Teenager daran teil. Thema: „Meine DNA in Gott“ (Identität). Die TeilnehmerInnen erfahren, dass Gott sie geschaffen hat und dass sie deshalb gewünscht und wichtig sind. Es fliessen Tränen, erhalten doch viele Jugendliche von ihren Eltern nicht die ersehnte Liebe und Aufmerksamkeit (fast alles sind dysfunktionale Familien). Uns ist es ein Anliegen, dass nicht nur Verletzungen bewusst werden, sondern dass gleichzeitig gezielte Schritte der Heilung geschehen –  auch in den Wochen danach.


Oktober


Eine zweites Jugendwochenende wird für die SchülerInnen vom Schulhaus Mahanaim durchgeführt.


November


Am 9. November feiern wir „4 Jahre Estación Esperanza“. Ein tolles Fest! Z.B. mit einem Bazar, an dem die Kinder gegen Tickets (die sie jeweils für gute Präsenz erhielten) secondhand Kleider und Spielsachen kaufen können. Zum Mittagsbuffet bringen alle TeilnehmerInnen etwas zum Essen mit. Danach gibt es eine kleine Ausstellung und die verschiedenen Arbeitsbereiche werden an Posten vorgestellt (Englisch, Montessori, Handarbeitsgruppe usw.). Der Tag endet mit einem Konzert. Dazu laden wir den Besitzer eines naheliegenden Restaurants (Stammlokal vieler Jugendlichen) ein. Dieser offeriert zu einem Selbstkostenpreis Milchshakes und Fruchtsäfte.

Die 26 Schweizer, welche an der von Kultour ausgeschriebenen Peru-Rundreise teilnehmen, besuchen Ventanilla. Dabei können sie einen Blick hinter die Touristenkulisse werfen. In Kleingruppen nehmen alle in den Privat“häusern“ an Kurz-Kochkursen teil. Die Mütter des Projektes Estación Esperanza sind sehr gute Köchinnen und dass sie als Kochlehrerinnen ihr Talent zeigen können, stärkt ihr Selbstvertrauen bzw. ihr Bewusstsein: Wir Einheimischen haben etwas Spannendes zu bieten, das Menschen aus der ganzen Welt interessiert.

Wie Weihnachten näher rückt, starten wir mit einer Theatergruppe. Ab Mitte November proben wir zwei kleine Weihnachts-Sketchs.


Dezember


Die Zeit vor Weihnachten ist geprägt von verschiedenen Weihnachtsanlässen. Panettone und heisse Schokoladenmilch dürfen an keiner dieser Feiern fehlen, denn dies gehört zur Tradition in Peru. Folgende Anlässen finden Dezember statt:

  • Weihnachtsfest im Schulhaus Mahanaim: Weihnachtstheater inkl. Übergabe der Schulnoten
  • Estación Esperanza-Weihnachten: Singen, Weihnachtstheater von den Kindern vorgeführt, Reflexion, Spiele und Weihnachtsgeschenke für alle Kinder und Jugendlichen (Spende vom Schweizer-Club Lima)
  • Obdachlosen-Weihnachten: Pantomime Theater zu Musikstück durchgeführt, kurze Predigt, kleine Geschenke für alle (Hygieneartikel)
  • Weihnachtsanlass in unserer Kirche „Familia para toda la vida“: Weihnachtstheater von den Kindern vorgeführt, schöne Weihnachtslieder begleitet von einer professionellen Band, Predigt

Zu guter letzt möchten wir von Herzen allen danken, welche uns im vergangen Jahr unterstützt haben. Vor allem:

  • Allen Spendern und Spenderinnen
  • Allen, die uns auch innerlich unterstützen
  • Allen freiwilligen MitarbeiterInnen hier und in der Schweiz, – und insbesondere den Volontärinnen und Volontären.
  • Den Personen, welche uns besucht und ihre Zeit investiert haben.
  • Dem Vorstand Estación Esperanza Schweiz, welcher uns tatkräftig gerade auch in herausfordernden Situation unterstützt hat
  • Dem Vorstand Estación Esperanza Peru, welcher versucht beim Ideen entwickeln und umzusetzen mitzuwirken.
  • Der Schweizerische Missions-Gemeinschaft (SGM) für die wichtige administrative Arbeit

Anhang

Öffentliche Angebote von Estación Esperanza:

  • Frauenkreis: Förderung von Selbstvertrauen und Verbesserung der Existenzgrundlagen (Inputs, Handarbeiten, Gespräche usw.)
  • Teenager Club: Konstruktive Freizeitbeschäftigung und Vermittlung von christlichen Werten
  • Kids Treffen: Pädagogische Basisarbeit
  • Englischunterricht für Gross und Klein
  • Unihockey Training
  • Logopädie
  • Musikunterricht (Piano, Gitarre und Cajon)
  • Hausbesuche, Familienberatung, Familienbegleitung
  • Strasseneinsätze im Zentrum von Lima (Obdachlosenarbeit)

Ausblick Jahr 2019

Die Zusammenarbeit mit der Schule Mahanaim entwickelte sich 2018 nicht gemäss unserer Vorstellungen. Die Familie, die für die Schule verantwortlich ist und auch unterrichtet, hat zwar ein gutes Herz, doch es fehlt an der nötigen Professionalität und einer tauglichen Infrastruktur.

Mitte 2018 schlugen wir eine Kooperation mit Estación Esperanza vor. Allerdings deklarierten wir, dass wir bei einer langfristigen Zusammenarbeit 50% Mitspracherecht benötigen. Wir möchten nicht nur Geld geben und damit nur oberflächlich etwas bewirken.

Nach etlichen Monaten, während denen keine weiteren Gespräche stattfanden, war uns klar, dass die Widerstände zu gross sind, um sich auf unseren Vorschlag einzulassen. Nach einer ersten Enttäuschung sind wir jetzt dran, andere Varianten zu prüfen, um die „Estación Esperanza-Kinder“ optimal zu fördern.

Zur Diskussion steht der Kauf eines Landstücks, auf dem wir einen Kindergarten und eventuell später eine Primarschule bauen wollen. Während wir im laufenden Jahr 2019 vorderhand noch mit Mahanaim im Kontakt bleiben, sehen wir den Start des Kindergartens für 2020 vor. Unseren Montessori-Raum im Schulhaus werden wir weiterhin nutzen