CARLOS: Der Schritt in den zweiten Slum

Anfangs Jahr 2018 starteten wir im Nachbar – Slum Kouri Haana mit einem wöchentlichem Unihockey-Training. Zuerst nahmen daran nur wenige neugierige Kinder teil und auch die Eltern waren eher skeptisch. Mittlerweile kommen vom Slum „Las Viñas“ regelmässig gut 20 Kinder auch in die Kindergruppe in unserem Projekthaus, in den Englisch Unterricht, in den Tanz-Workshop, in die Kirche usw.

Unser Einsatz wurde von den Slum-Bewohner wahrgenommen. Vor zwei Wochen konnte ich beim Vorstand des Slum „Las Viñas“ das Projekt Estación Esperanza vorstellen. In „Las Viñas“ haben sie keinen Präsidenten wie wir, denn die Besitz-Situation der Landstücke ist anders bzw. die Familien sind bereits eingetragene Besitzer ihrer Landstücke. Der Vorstand begrüsst unsere Arbeit und möchte nicht, dass wir mit „ihren Kindern“ am Donnerstag jeweils auf der Strasse spielen müssen.

So dürfen wir jetzt ihr Gemeinschafts-Häuschen (Hütte aus Holz) gratis benützen. Wir werden einige Bretter ersetzen, sowie die Wände streichen müssen. Es freut uns sehr, dass wir einen vorläufigen Vertrag für ein Jahr abschliessen können. Die Lokalität ist an einem idealen Standort und nur wenige Gehminuten von Estación Esperanza entfernt. Nun überlegen wir, wann und wie wir diesen Ort optimal nutzen könnten. Ideen haben wir viele, doch die personellen Ressourcen sind nur bedingt vorhanden. Beginnen werden wir mit einem wöchentlich stattfindenden Nachhilfeunterricht und an Donnerstagen nach dem Unihochey werden wir in der Hütte einen Zvieri essen und den Input (Geschichte aus Bibel) gestalten. Ich musste am Treffen mit dem Slum-Vorstand schmunzeln. Meine Landsleute versuchen wirklich, immer Profit aus allem zu schlagen. So kam ihnen die Idee, dass wir als Projekt allenfalls Finanzen zur Verfügung hätten und somit auch noch eine kleine Miete zahlen könnten.

Ich erklärte ihnen folgendes: „Wenn ich etwas von euch brauchen würde, wie beispielsweise all die Leute, die nun im Oktober an den Lima-Wahlen als Bürger-meister oder Gemeinderatsmitglieder gewählt werden wollen, dann würde ich euch sicherlich Geld geben. Doch wir haben kein persönliches Interesse daran, dass ihr von uns begeistert sein müsst. Wir möchten einfach gerne eure Kinder und Jugendlichen fördern und Präventionsarbeit leisten.“ Diese Worte brachten die Sitzungsteilnehmer in Verlegenheit und sie sahen ein, dass sie kein Geld bekommen werden.

Ich ging sogar noch weiter. Meine Forderung war, dass Estación Esperanza das Material wie Bretter und Farben kaufen wird, doch ihre Slum-Bewohner, die im Bauen Erfahrung haben, das Gemeinschaftshäuschen selber reparieren sollen. Wenn die Bewohner selber mithelfen, hat die Projektarbeit und das Häuschen nachher auch eine grössere Wichtigkeit. Nun hoffen wir einfach, dass diese Arbeiter bald gefunden werden können.

Schreiben Sie einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .