Jahresbericht 2019

Januar


Estación Esperanza ist während drei Wochen geschlossen. Die Aktivitäten starten in der letzten Januar Woche. Ende Januar ziehen wir, Familie Bernales, in eine nahegelegene Wohnung. Das Projekthaus war zu eng geworden und das Bedürfnis nach Rückzug war im 2018 gewachsen. Rodolfo aus dem Bergland von Peru verlobt sich mit unserer langjährigen Mitarbeiterin Nathalia und steigt 100% bei uns im Team ein. Er und Nathalia werden als Ehepaar im Projekthaus wohnen, sowie ein bis zwei andere Mitarbeitende, Volontäre und gelegentlich Besucher. Nathalia und Rodolfo werden voraussichtlich für die nächsten 8-10 Jahre im Kernteam mitwirken.

Mit unserem neuen Slogan „Kinder lernen lernen … und die Eltern auch“ wird die Familienarbeit dieses Jahr weiter intensiviert. Konkret: vier Elternanlässe mit einem Psychologen (Themen: Erziehung, Charakterentwicklung der Kinder und im Teenageralter usw.), Elternberatung, wöchentliche Mütter-Coaching-Gruppe, im Nachhilfeunterricht werden die Eltern angeleitet, wie sie mit ihren Kindern lernen und sie fördern können usw. Leider wollen weiterhin viele Eltern keine Hilfe in Anspruch nehmen, bzw. dass sie sind nicht bereit, an ihren Schwachstellen und Gewohnheiten zu arbeiten. So werden wir zwar mit dem Schicksal vieler Kinder konfrontiert, doch der zweite Schritt, mit der Familie einen Entwicklungsweg zu gehen, begegnet oft Widerständen.


Februar


Seit Mitte Dezember sind in Peru die 3monatigen Sommerferien.  Vor allem Kinder aus ärmeren Schichten langweilen sich sehr während dieser Zeit. Mitte Februar führen wir eine Woche für die Kids durch. Täglich kommen um die 80 Kinder zu Estación Esperanza. Thema ist die Chinamissionarin „Gladys Aylward“. Ihre Lebensgeschichte wird durch kleine Theatersequenzen und Aktivitäten in der Nachbarschaft nachempfunden. Es ging um folgendes: So wie du bist und da wo du bist, kannst du andern eine Freude machen und Licht sein. So geht eine Gruppe in ein nahegelegenes Krankenhaus, um den Kindern dort mit Luftballonen, eine Freude zu machen. Einige besuchen kranke Menschen in der Nachbarschaft, andere sammeln Abfall und wieder andere bereiteten Limonade zu und verschenken diese an Passanten. Die Kinderwoche bildet für viele Kinder eine sehr willkommene Abwechslung während der monotonen Ferien.

Als krönenden Abschluss der Kinderwoche gab es einen Familienausflug, an dem 200 Personen teilnahmen. In einem Erholungspark spielen wir Volleyball und Fussball, veranstalten Stafetten und vergnügen uns zwei Stunden im Freibad. Unser Anliegen ist, dass die Eltern erleben dürfen, dass das gemeinsame Spielen Freude macht. Und es soll nicht bei diesem einen Tag bleiben: Wir zeigten ihnen im Input auf, dass „Quality-Time“ für die Kinder und Jugendlichen sehr wichtig ist und gepflegt werden muss.


März


Wir arbeiten nochmals ein Jahr mit dem Schulhaus Mahanaim zusammen. Kinder, die von Estación Esperanza in diesem Programm aufgenommen werden, bezahlen monatlich anstatt 80 CHF nur 15 – 28 CHF. Doch die Familien müssen an den angebotenen Förderaktivitäten bzw. Elternanlässen teilnehmen. Bei unentschuldigten Absenzen wird die Unterstützung abgebrochen. Damit stellen wir sicher, dass sich die Kinder nicht nur schulisch gut entwickeln, sondern dass auch das familiäre Umfeld positive Förderung erfährt. In diesem Jahr nehmen wir 16 Kinder ins Programm auf.

Über einen Freund haben wir die Möglichkeit, das Projekt «Lektüre in deinem Park» zu starten. Dieses Programm führen wir in Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde vom Distrikt „Mi Peru“ durch. Jeden Samstag kommen in benachbarten Slums Kinder und Eltern zusammen. Sie dürfen die Bücher, die da in Bücherregalen stehen, lesen und wir erzählen auf kreative Art Geschichten. Wir sind gespannt, wie sich die Zusammenarbeit mit politischen Gemeindebehörde entwickelt.


April


Da eine langfristige Zusammenarbeit mit der Schule Mahanaim nicht möglich sein wird, intensivieren wir unsere Suche nach einem geeigneten Grundstück. Mitte April reisen wir, Carlos und Miriam Bernales-Kühni, in die Schweiz und übergeben Nathalia die Gesamtverantwortung vom Projekt. Es funktioniert perfekt.


Mai


Am 5. Mai findet die Generalversammlung des Vereins „Estación Esperanza Schweiz“ statt.


Juni


Wir organisieren die erste Team-Retraite seit der Gründung von Estación Esperanza. Das Ziel ist, das Team zu stärken und unsere Dankbarkeit auszudrücken. Wir verbringen zwei Tage ausserhalb von Lima und bearbeiten im Garten eines Hotels Themen wie Identität von Estación Esperanza, persönliche Stärken, Zusammenarbeit und entsprechende Verbesserungs-Ansätze, sowie Umgang mit Frustration. Das Team besteht momentan aus drei VollzeitmitarbeiterInnen, vier TeilzeitmitarbeiterInnen sowie uns, die Projektleiter.


Juli


Ein zehnköpfiges Schweizer-Team der Organisation „Floorball4all“ (Unihockey für Strassenkinder) begleitet und unterrichtet uns, die Kinder und 30 Neutrainer während einer Woche. Als Koordinatoren von Floorball Lima, sind wir für die Organisation des Kurses zuständig. Ziel von Floorball4all ist es, Knowhow und das entsprechende Material für Unihockey zu liefern. Der Sport soll dazu dienen die Lebensqualität nachhaltig zu verbessert und christliche Anliegen wie Nächstenliebe, Solidarität sowie Fairness werden nähergebracht. Die 30 Unihockeyanfänger werden während vier Tagen im „Colegio Pestalozzi“ in Lima in praktischen, theoretischen und didaktischen Trainingseinheiten unterrichtet. Als neu ausgebildete Coaches können sie nun wiederum in ihren jeweiligen Orten Teams trainieren. Wir, die Koordinatoren von Floorball Lima, begleiten sie in dieser Aufgabe.

Wir führen unsere zweite Kinderwoche in diesem Jahr durch. Unser Wochenthema ist die Schöpfungsgeschichte. Dieses Thema ist eine Grundlage, um den Kindern etwas über Umweltverschmutzung und Recycling mitzugeben.


August


Den 1. August feiern wir im Schweizerclub. Dank der offiziellen Einladung dürfen wir mit einer Gruppe von Kindern am Anlass teilnehmen und werden sogar gratis verköstigt. Wir gehen mit der Kingdoms-Kids-Gruppe ans Fest. Diese Gruppe haben wir im 2018 ins Leben gerufen und sie besteht aus den Vor-Teenager (11-13 Jährige). Wir stellen Bedingungen, wenn jemand Teil dieser neuen Gruppe werden will. So erwarten wir die Mithilfe im Kinderprogramm. Die Motivation mitzuhelfen und Teil zu sein in den verschiedenen Aktivitäten, inkl. Kirchenbesuch am Sonntag, ist gross.


September


Wir haben ein passendes Landstück gefunden! Wir machen die Anzahlung für ein 2’000 Quadratmeter grosses Grundstück, welches nur etwa 7 Minuten vom Projekthaus per Auto entfernt ist. Das bestehende Projekthaus nützen wir für viele Aktivitäten und der Platz ist bereits zu knapp. Unsere Vision ist es ein Kindergarten-/Schulprojekt mit integrierter Elternarbeit aufzubauen. Nach der Abzahlung des Grundstücks werden wir den Bau in einzelnen Etappen gestalten: Zuerst ein Kindergarten und dann, ganz organisch, der Weiterausbau zu einer Schule.

Bei unserem jährlichen Besuch bei Estación Esperanza Bolivien freuen wir uns zu sehen, wie der Kinderclub sowie der wöchentliche Mittagstisch rege besucht werden. Unsere Funktion ist nur noch auf das Coaching beschränkt.


Oktober


Im Haus von „Jugend mit einer Mission“ findet ein Wochenende für die Jugendgruppe von Estación Esperanza statt. Dieses Jahr organisieren wir dieses zusammen mit einem anderen Projekt. Spiel, Sport, Lagerfeuer, Schwimmingpool: Alles Dinge die die Jugendlichen im Alltag selten bis nie geniessen. Wir vertiefen in Kleingruppen und bei Inputs das Thema Eltern und die Liebe Gottes (Gott ist der Vater). Es fliessen Tränen, erhalten doch viele Jugendliche von ihren Eltern nicht die ersehnte Liebe und Aufmerksamkeit (fast alles sind dysfunktionale Familien). Uns ist es ein Anliegen, dass nicht nur Verletzungen bewusst werden, sondern dass gleichzeitig gezielte Schritte der Heilung geschehen –  auch in den Wochen danach.


November


Am 7. und 8. November feiern wir „5 Jahre Estación Esperanza“. Ein tolles Fest! Dieses Jahr teilen wir die Aktivitäten auf zwei Tage auf. Am ersten Tag findet das Kinderfest mit Clown-Show, Präsentation von unserer Musik- und Tanzgruppe sowie dem Bazar, an dem die Kinder gegen Tickets (die sie jeweils für gute Präsenz erhielten) secondhand Kleider und Spielsachen kaufen können, statt. Am zweiten Tag findet der Frauennachmittag mit Karaoke und einem Buffet statt. Alle nehmen ein Gericht mit. Am Abend sind die Jugendlichen zu einer Zaubershow eingeladen. Ein Input und der Lobpreis mit der Estación Esperanza Band fehlen auch nicht.

Die Kultour-Reisegruppe besucht Ventanilla. Dabei können sie einen Blick hinter die Touristenkulisse werfen. In Kleingruppen nehmen alle in den Privat“häusern“ an Kurz-Kochkursen teil. Die Mütter des Projektes Estación Esperanza sind sehr gute Köchinnen und dass sie als Kochlehrerinnen ihr Talent zeigen können, stärkt ihr Selbstvertrauen bzw. ihr Bewusstsein: Wir Einheimischen haben etwas Spannendes zu bieten, das Menschen aus der ganzen Welt interessiert.


Dezember


Am 7. Dezember findet das erste Südamerika-Cup-Tournier von Unihockey statt. Aus Brasilien, Ecuador und Bolivien kommt je ein Team angereist. Das Peru-Team setzt sich aus Spielern von verschiedenen Gebieten Perus zusammen. Die Anreise ist für alle finanziell eine grosse Herausforderung, denn die Spieler kommen aus der ärmeren sozialen Schicht. Brasilien gewinnt das Tournier und Peru ist auf dem zweiten Platz. Doch für alle ist es ein grosses Highlight.

Die Zeit vor Weihnachten ist geprägt von verschiedenen Weihnachtsanlässen. Panettone und heisse Schokoladenmilch dürfen an keiner dieser Feiern fehlen, denn dies gehört zur Tradition in Peru. Folgende Anlässen finden Dezember statt:

  • Weihnachtsfest im Schulhaus Mahanaim: Weihnachtstheater inkl. Übergabe der Schulnoten
  • Drei Estación Esperanza-Weihnachtsfester (für Kinder, Jugendliche und Mütter): Singen, Weihnachtstheater von den Kindern vorgeführt, Reflexion, Spiele und Weihnachtsgeschenke für alle (Spende vom Schweizer-Club Lima)
  • Obdachlosen-Weihnachten
  • Weihnachtsanlass in unserer Kirche „Familia para toda la vida“

Zu guter letzt


Zu guter letzt möchten wir von Herzen allen danken, welche uns im vergangen Jahr unterstützt haben. Vor allem:

  • Allen Spendern und Spenderinnen
  • Allen, die uns auch innerlich unterstützen
  • Allen freiwilligen MitarbeiterInnen hier und in der Schweiz, – und insbesondere den Volontärinnen und Volontären.
  • Den Personen, welche uns besucht und ihre Zeit investiert haben.
  • Dem Vorstand Estación Esperanza Schweiz, welcher uns tatkräftig gerade auch in herausfordernden Situation unterstützt hat
  • Dem Vorstand Estación Esperanza Peru, welcher versucht beim Ideen entwickeln und umzusetzen mitzuwirken.
  • Der Schweizerische Missions-Gemeinschaft (SGM) für die wichtige administrative Arbeit

Anhang


Öffentliche Angebote von Estación Esperanza:

  • Frauenkreis: Förderung von Selbstvertrauen und Verbesserung der Existenzgrundlagen (Inputs, Handarbeiten, Gespräche usw.)
  • Teenager Club: Konstruktive Freizeitbeschäftigung und Vermittlung von christlichen Werten
  • Kids Treffen: Pädagogische Basisarbeit
  • Englischunterricht für Gross und Klein
  • Hausaufgabenhilfe und Lernförderung
  • Unihockey Training
  • Logopädie
  • Psychologie
  • Musikunterricht (Piano, Gitarre und Cajon)
  • Hausbesuche, Familienberatung, Familienbegleitung
  • Strasseneinsätze im Zentrum von Lima (Obdachlosenarbeit)
  • «Lectura en tu parque» (Leseförderung in verschiedenen Parks)

Ausblick Jahr 2020


Die Zusammenarbeit mit der Schule Mahanaim werden wir 2020 noch weiterführen. Estación Esperanza besitzt bis jetzt ja weder einen eigenen Kindergarten noch eine eigene Schule. Via Patenschafts-Konzepts werden wir voraussichtlich denselben 16 Kindern die Chance geben, die Mahanaim Schule zu besuchen. Und mit diesen finanziell schwachen Familien werden wir dementsprechend weiter arbeiten. Bei Notfällen nehmen wir zusätzlich noch einzelne „neue“ Kinder auf.

Der Verein Estación Esperanza Peru besitzt nun ein 2’000 Quadratmeter grosses Landstück, auf dem wir einen Kindergarten und eventuell später eine Primarschule bauen wollen. 2020 würden wir gerne die Pläne für das Schulprojekt entwickeln und entscheiden, was für weitere Möglichkeiten auf dem Grundstück noch möglich wären. So haben wir beispielsweise das Material und die einfache Einrichtung eine kleine Schneiderei von einem Schweizerpaar übernommen und so wäre es möglich eine kleine Schneider-Werkstatt für die Mütter auf dem Grundstück zu bauen. Mit dem Verkauf der Handarbeiten könnten sie ihre Existenzgrundlage sichern. Sofern es finanziell möglich ist, würden wir gerne auch mit dem Bau des Kindergartens beginnen.

2`000 Quadratmeter von diesem Landstück kauft Estacion-Esperanza
Carlos und Miriam Bernales mit ihren drei Mädchen.